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Gedanken über den Friedhof
und die Ruhestätte der Verstorbenen (von Gryphius)
Die zarten Wangen schrumpfen ein, Kinnbacken, Zung und Zähne blecken, Der Lefzen ihr Korallenschein Ist ganz verstellt von schwarzen Flecken ... Der Därme Wust reißt durch die Haut, So von den Maden ganz durchbissen; Ich schau die Därme, ach mir graut! In Eiter Blut und Wasser fließen. Das Fleisch, das nicht die Zeit verletzt Wird unter schlangenblauem Schimmel Vom unersättlichen Gewimmel Vielfalter Würmer abgefretzt. Die Hölle (von Gryphius) Ach! Und Weh! Mord! Zeter! Jammer! Angst! Kreuz! Marter! Würmer! Plagen. Pech! Folter! Henker! Flamme! Gestank! Geister! Kälte! Zagen! Ach vergeh'! Tief' und Höh'! Meer! Hügel! Berge! Fels! Wer kann die Pein ertragen? Schluck, Abgrund! Ach, schluck ein! Die nichts als ewig klagen. Jeh und eh! Schreckliche Geister der dunklen Höhlen, ihr, die martert und Marter erduldet, Kann denn der ewigen Ewigkeit Feuer nimmermehr büßen dies, was ihr verschuldet? O grausam Angst, stets sterben sonder sterben! Dies ist Flamme der grimmigen Rache die der erhitzte Zorn angeblasen: Hier ist der Fluch der unendlichen Strafen, hier ist das immerdar wachsende Rasen: O Mensch! Verdirb, um hier nicht zu verderben. Wie er wollte geküsset sein (Autor unbekannt) Nirgends hin als auf den Mund: Da sinkt's in des Herzens Grund; Nicht zu frei, nicht zu gezwungen, Nicht mit gar zu fauler Zungen. Nicht zu wenig, nicht zu viel: Beides wird sonst Kinderspiel; Nicht zu laut und nicht zu leise: Bei dem Maß ist rechte Weise. Nicht zu nahe, nicht zu weit: Dies macht Kummer, jenes Leid; Nicht zu trocken, nicht zu feuchte, Wie Adonis Venus reichte. Nicht zu harte, nicht zu weich, bald zugleich, bald nicht zugleich, nicht zu langsam, nicht zu schnelle, Nicht ohn Unterschied der Stelle. Halb gebissen, halb gehaucht, Halb die Lippen eingetaucht; Nicht ohn Unterschied der Zeiten, Mehr alleine denn bei Leuten. Vergänglichkeit der Schönheit (Hoffmanns Waldau) Es wird der bleiche Tod mit seiner kalten Hand Dir endlich mit der Zeit umb deine Brüste streichen Der liebliche Korall der Lippen wird verbleichen; Der Schultern warmer Schnee wird werden kalter Sand Der Augen süßer Blitz, die Kräffte deiner Hand Für welchen solches fällt, die werden zeitlich weichen Das haar, das itzund kann des Goldes Glanz erreichen Tilgt endlich Tag und Jahr als ein gemeines Band. Der wohlgesetzte Fuß, die lieblichen Gebärden Die werden theils zu Staub, theils nichts und nichtig werden Denn opfert keiner mehr der Gottheit deiner Pracht. Diß und noch mehr als diß muss endlich untergehen. Dein Hertze kann allein zu aller Zeit bestehen Dieweil es die Natur aus Diamant gemacht. |
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